Eine historische Betrachtung - Stationen seines Lebens und sein Wirken

Zur Zeit Schein´s konnte in Grünhain auch die Pflege der Musik nachgewiesen werden. In der Kirche soll eine der "größten Orgeln im Gebirge" vorhanden gewesen sein und in der ältesten vorhandenen Kirchenrechnung, wird 1585/1586 eine Kantorei erwähnt.
Über die ersten Jahre in Dresden ist fast nichts bekannt. Johann Hermann Schein muss sich jedoch durch gute musikalische Fähigkeiten ausgezeichnet haben.
1599 wurde er als Kapellknabe in die Dresdener Hofkapelle aufgenommen. Vermittelt wurde die Aufnahme durch einen Freund der Familie Schein, Oberhofprediger und Inspektor der Hofmusik, Polycarp Leiser. Die Hofkapelle war als Pflegestätte kirchlicher und weltlicher Musik ( lateinische, deutsche und welsche Gesänge) von Kurfürst Moritz von Sachsen 1548 gegründet worden. Ihr Zweck war die Förderung von Kunst und Wissenschaft.
4 Jahre genoß Schein die Unterweisung durch zwei erfahrener Musiker, dem Hofkapellmeister Rogier Michael und dem Kapellknabenpräzeptor Andreas Petermann, der zuvor 23 Jahre als Kreuzkantor tätig war. Schein war einer der 8 Singknaben der Kapelle. Neben Instrumental - und Vokalunterweisung erhielt er auch Unterricht in den übrigen Schulfächern. Durch seine Tätigkeit in der Kapelle wurde Schein mit den wichtigsten italienischen, niederländischen und deutschen Chorkompositionen der 2. Hälfte des 16. Jahrhundert bekannt.
1603 musste Schein, bedingt durch den Stimmwechsel, als Diskantsänger die Hofkapelle verlassen. Als Stipendiat des Kurfürsten Christian II. wurde Schein an der Universität Leipzig vorimmatrikuliert. Die Zahl der Immatrikulierten betrug in dieser Zeit gut 800. Nicht alle waren aber wirklich Studierende, denn es war Brauch, schon Kinder zu immatrikulieren, um ihnen die Rechte von Universitätsangehörigen zuteil werden zu lassen. Dies war auch bei Schein der Fall, der als Mitglied der Hofkapelle solche Vergünstigungen hatte. Vorerst besuchte er für 4 Jahre die Fürstenschule Pforta.
Am 18. Mai 1603 wird Schein nach bestandener Aufnahmeprüfung in die Landesschule aufgenommen und erhält eine umfassende humanistische Ausbildung. Auch auf musikalischem Gebiet kann er seine Fähigkeiten vervollkommnen.
Die musikalische Ausbildung war geprägt von dem Leipziger Thomaskantor Sethus Calvisius, dem Schein in diesem Amt 1616 nachfolgte.
Schein lernte auch als Mitschüler Gottfried von Wolffersdorff, der seinem späteren Lebensweg noch wesentlich beeinflussen sollte, in Schulpforta kennen.
Am 26. April 1607 verläßt Schein, nach Ablauf der für die "Kapellknaben" bestimmten Zeit von 4 Jahren, Schulpforta. Mit einem ausgezeichneten Zeugnis ging er vorerst wieder nach Dresden zurück.

Bereits 1609 veröffentlicht Schein sein erstes größeres Werk, betitelt: "Venus Kräntzlein"
Die Entstehung des Venus Kräntzleins fiel in das Jahr, in dem die Stadt Leipzig ein großes Fest feierte; am 4. Dezember 1609 wurde die Universität 200 Jahre alt. Die Lieder und Melodien paßten so recht in diese Feststimmung. Ein Zeugnis für ein fröhliches und ungezwungenes Studentenleben.
Bei diesem Anlaß begegnete Schein in Leipzig einen Bekannten aus der Zeit in Schulpforta, Gottfried von Wolffersdorff. Dieser war zwischenzeitlich zum Hauptmann auf Schloß Weißenfels ernannt worden und gleichzeitig "wohlverordneter" Assessor des Kurfürstl. Sächs. Ober-Hof-Gerichts zu Leipzig. Er holte Schein 1613 nach Weißenfels als Hauslehrer. Damit war eine erste feste Anstellung nach dem Studium gesichert.
Im Jahr 1612 verläßt Johann Hermann Schein die Universität Leipzig. Damit ging auch die finanzielle Förderung durch den Kurfürsten zu Ende. Für eine kurze Zeit übernimmt er eine Anstellung als Hauslehrer, bevor er 1613 nach Weißenfels geht.
1613 beruft Gottfried von Wolffersdorff seinen ehemaligen Mitschüler aus Schulpforta nach Weißenfels. Schein übernimmt die Stelle als Hauslehrer und Hausmusikdirektor.
In diese Zeit fällt auch die Bekanntschaft und der Beginn der Freundschaft mit Heinrich Schütz. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat Schein auch den Hallenser Orgelmeister Samuel Scheidt in Weißenfels kennengelernt.
1615 erscheint das lateinisch-deutsche Motettenwerk "Cymbalum Sionium". Dieses Werk sollte besonders der kirchlichen Musik dienen und damit das Gegenstück zu seinem Venuskräntzlein sein.
Nach 2-jähriger Tätigkeit verläßt Schein Weißenfels. Es ist anzunehmen, dass Wolffersdorff seinen Hauslehrer Schein dem Hof von Weimar empfohlen hatte.
Herzog Johann Ernst d. J. beruft Johann Hermann Schein am 21. Mai 1615 als Hofkapellmeister nach Weimar. Schein hatte als Leiter der herzoglichen Kapelle für die Ausgestaltung der Gottes-dienste und für die Aufführung der Tafelmusiken zu sorgen, weiterhin bei anfallenden Festlichkeiten mitzuwirken.
Die Stellung als Hofkapellmeister erlaubte es einen eigenen Hausstand zu gründen. Am 12. Februar 1616 kommt es zur Heirat mit der 22-jährigen Sidonia Hösel aus Dresden. Die Familien Schein und Hösel hatten sich bereits in Grünhain kennengelernt.
Am 19. August 1616 verläßt Schein Weimar um das Amt des Thomaskantors in Leipzig anzutreten.
Leipzig - Der Thomaskantor Schein


Weiterhin war die Leipziger Zeit von vielen Auseinander-setzungen geprägt. Es gab immer wieder Differenzen zwischen Rektor und Kantor, Auseinandersetzungen mit dem Rat der Stadt und mit neidischen Kollegen. Dazu kamen Schicksalsschläge in der Familie und eine angeschlagene Gesundheit. Als 1618 der 30-jährige Krieg begann brachte dies weitere Unannehmlichkeiten mit sich.

Die letzten Lebensjahre bringen dem Thomaskantor schwere Erkrankungen. Er leidet an Gicht, Nierensteinen und der Schwindsucht. Zwei Kuren in Karlsbad bleiben ohne Erfolg. Am 19. Nov. 1630 stirbt Johann Hermann Schein.
Zahlreiche Freunde und Schüler gedachten des bedeutenden Komponisten mit gedruckten Trauergedichten. Als Beispiel soll Paul Fleming aus Hartenstein, der ein Schüler und Bewunderer Schein´s war, genannt werden.
Am 21. November wird Schein bestattet. Die Leichenrede hält Johann Höpner, Pastor zu St. Nicolai über 1. Thim. 1, 15. Als Freund komponiert Heinrich Schütz zu diesem Text die 6-stimmige Trauer-Motette: "Das ist je gewißlich wahr".

Außer den überlieferten ca. 100 weltlichen und rund 350 geistlichen Werken sind nahezu 100 verschollene, dem Titel nach jedoch bekannte Kompositionen nachweisbar. Neben den bereits genannten "Venus Kräntzlein" (1609) und "Cymbalum Sionium" (1615) sind in Leipzig eine Vielzahl von Kompositionen entstanden.
Den Kompositionen wurden Widmungen und Hinweise vorangestellt. Diese geben Anregungen für die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Aufführung der Kompositionen.
Besonderer Erwähnung verdienen weiter:
Zusätzlich entstanden noch eine Vielzahl weiterer Kompositionen zu Todesfällen, Jubiläen, Hochzeiten und offiziellen Anlässen der Stadt Leipzig. Trotz vieler Schicksalsschläge und schwerer Krankheit blieb sein künstlerischer Schaffenswille ungebrochen.
Im Jahr der Hochzeit mit Sidonia Hösel wechselte Schein von Weimar nach Leipzig. Dort
werden dem Ehepaar 5 Kinder geboren, 3 Töchter und 2 Söhne. Die Töchter sterben schon in den ersten Lebensjahren, die beiden Söhne Johann Samuel und Johan Herman überlebten ihren Vater.
Ein schwerer Schicksalsschlag war der Tod der Frau Sidonia Schein Ende Juni 1624. Sie starb an der Geburt der 3. Tochter. Schein musste seinen verbliebenen Kindern eine neue Mutter geben, so heiratete er am 22. Febr. 1625 Elisabeth von der Perre. Aus dieser 2. Ehe gingen 5 Kinder hervor, davon starben 4 im 1. Lebensjahr.
Aus den kunstvollen Trauerliedern und Gedichten ist die große Trauer des Vaters, aber auch sein großes Gottvertrauen immer wieder herauszuhören.
Rolf Böttcher